Pflanzenportrait Dezember: Weißbeerige Mistel (Viscum album), Laubholzmistel
Jetzt im Spätherbst und Winter fallen im kahlen Geäst von vorzugsweise weichholzigen Laub- und Nadelbäumen kugelige Gebilde auf: die Weißbeerige Mistel.
Die bei uns vorkommende Art ist häufig auf Weiden und Pappeln, Linden, Robinien, Ahorn, Birke, Weißdorn oder auf Apfelbäumen anzutreffen, wohingegen auf Tanne und Kiefer eigene Unterarten gedeihen. Sehr selten – und dann besonders begehrt – wächst die Mistel auf Eichen.
In England und Frankreich dienen ihre Zweige als Weihnachtsschmuck. Als Glücksbringer hängt man sie in die Wohnungen oder über die Türen. Ähnlich der Symbolik des immergrünen Tannenbaumes sahen unsere Vorfahren in der Mistel ein Symbol für den Sieg des Lebens über den Tod: wenn im Winter jedes Pflanzenleben erloschen scheint, hebt sich das grüne Blattwerk der Misteln von den unbelaubten Bäumen ab.
Die Weißbeerige Mistel ist ein immergrüner Halbstrauch, der als Halbschmarotzer auf seinen Wirtsbäumen parasitiert und bis zu 70 Jahre alt werden kann. Die kugeligen Büsche können bis zu 1 m Durchmesser erreichen. Misteln sind zweihäusig, es gibt „Männchen“- und „Weibchen“-Pflanzen. Ihre ungewöhnliche Blütezeit reicht in Mitteleuropa bei günstiger Witterung von Mitte Januar bis Mitte April. Von der Blüte bis zur Reife der einsamigen, durchscheinend-weißen kugeligen Beeren in der Adventszeit vergehen ca. 9 Monate. Die Samen der Mistel sind gleich keimfähige Embryos, die aber viel Licht zum Überleben benötigen.
Die an den gegabelten Zweigen wachsenden lederartigen Blätter sind ungewöhnlich: sie haben keine typische Ober- oder Unterseite, auf beiden Seiten findet man Spaltöffnungen; die wenigen Leitungsbahnen verlaufen geradlinig (kein Netz wie sonst üblich).
„Nichts an dieser Pflanze ist normal!“, stellte bereits zu Anfang des 20. Jahrhundert Carl von Tubeuf, ein deutscher Forstbotaniker, fest:
Die Mistel wächst auf Bäumen, nicht in der Erde. Deshalb galt sie als von Göttern ausgesäte Pflanze und genoss entsprechende Verehrung.
Sie hat einen pfahlartigen „Senker“ statt Wurzeln, mit dem sie sich im Holz ihres Wirtsbaumes verankert.
Keimt ein Mistelembryo, schiebt er als erstes einen dünnen Stängel vor. Dann entwickelt sich eine Haftscheibe, um sich an der Baumrinde festzuhalten. Jetzt wächst aus deren Mitte ein Saugrohr (Haustorium), das sich in die Keimschicht (Kambium) des Wirtsbaumes bohrt. Dieser versorgt mit den aufsteigenden Säften die Mistelpflanze nun mit Wasser und Nährsalzen.
Um keimen zu können, muss der Embryo von einem Vogel aus der Beere freigesetzt werden. Hierbei helfen vor allem zwei Vogelarten: die Misteldrossel und die Mönchsgrasmücke. Die Mistelbeeren sind die Winternahrung der Misteldrossel, wobei die Embryonen unverdaut ausgeschieden und mit den klebrigen Fruchtresten (Viscum bedeutet Leim!) auf Ästen und Zweigen haften bleiben.
Die Mönchsgrasmücke hingegen frisst nur die saftige Hülle der übriggebliebenen Beeren, wenn sie im März aus dem Süden wieder in unsere Gebiete kommt. Die grünen Embryos klebt sie auf Äste und Zweige des Wirtsbaumes. wo sie auskeimen können.
Misteln besitzen in ihren Blättern Chlorophyll, betreiben Photosynthese und können sich organische Nährstoffe selbst herstellen, trotzdem räubern sie den größten Teil beim Wirtsbaum!
Die Pflanze blüht und fruchtet zur Winterszeit. Vom Frühjahr bis Mitte Juni wächst sie wie alle anderen Pflanzen, dann jedoch hält sie inne und ruht bis zum Winter. Zur Advents- und Weihnachtszeit sind die durchscheinend-weißen Beeren dann reif.
Das Phänomen des kugeligen Wachstums findet sich bei keiner anderen Pflanze und ist nicht vom Sonnenlicht abhängig.
Die Blätter fallen ab, ohne vorher zu welken: Im 2. Jahr ihres Wachstums vergrößern sie sich sogar noch und sind grün und vital, trotzdem fallen sie ab.
Die Mistel wächst extrem langsam:Sie bildet erst nach zwei Jahren die ersten Blättchen, dann folgt wieder eine Ruhepause von einem Jahr und danach die Bildung immer nur eines Stängels in jeder Blattachsel. Die ersten Blüten zeigen sich erst nach 5 – 7 Jahren.
Die Blütenstände sondern eine Art Nektar mit orangenähnlichem Geruch ab, wodurch viele Insekten wie Fliegen, Bienen, Hummeln, Käfer, Ameisen u.a. angelockt werden und für die Bestäubung sorgen.
Bereits in der Antike war die Mistel für ihre Heilwirkung bekannt, sie verhieß ewiges Leben und Fruchtbarkeit. Heute ist die Misteltherapie als Unterstützung in der Krebsbehandlung verbreitet.
Außerdem soll die Mistel beruhigend, blutstillend, entzündungshemmend, harntreibend und krampflösend wirken und wird bei Erkrankungen wie Bluthochdruck, Fieber, Verdauungsproblemen und Gelenkschmerzen eingesetzt.
Zum Problem sind Misteln in den vergangenen Jahren v.a. für Streuobstwiesen und Obstplantagen geworden, da sie sich aufgrund des Klimawandels massenweise vermehren und die Bäume schädigen.
Deshalb dürfen Laubholzmisteln bedenkenlos aus Obstgehölzen geschnitten und als nachhaltiger Weihnachtsschmuck verwendet werden.
Im Naturschutzgebiet Halbinsel Devin ist es jedoch ratsamer, sich nach einem alten Brauch unter einer Mistel zu küssen. Das soll Glück, Frieden und immerwährende Liebe bringen. Vielleicht führt Sie Ihr Weihnachtsspaziergang hierher?
Text: Martina Korth
Dieses einheimische Wildgehölz ist eine robuste Pionierpflanze, der weder Trockenheit noch Frost etwas ausmachen. Der sommergrüne Strauch (im Alter auch kleiner Baum) mit der dunklen Rinde, die ihm auch den Namen Schwarzdorn einbrachte, gehört wie die meisten unserer Obstarten zu den Rosengewächsen.
Dies erkennt man eindrucksvoll im zeitigen Frühjahr an ihren fünfzähligen, weißen, nach Mandeln duftenden, kleinen Blüten, wenn die Schlehensträucher vor der Belaubung wie eine Blütenwolke wirken. Sie sind eine frühe, reichhaltige Nektarquelle für Schmetterlinge und Bienen. Die Schlehe wächst gern an sonnigen Wald- und Wegrändern und wird durchschnittlich 3 m hoch.
Der Flachwurzler, dessen Ausläufer sich schnell ausbreiten und den Boden befestigen, bildet mit seinem sparrigen Wuchs und der reichen Verzweigung mit langen, spitzen Dornen fast undurchdringliche, windschützende Hecken und ist ein gutes Vogelschutzgehölz.
Die Schlehe wird auch als lebendiger Stacheldraht bezeichnet. Viele Kleinsäuger und etwa zwanzig Vogelarten, darunter Heckenbraunellen, Drosseln, Amseln, Grasmücken und Neuntöter, nutzen die Schlehe nicht nur als Nahrungspflanze, sondern als sicheren Nist- und Schutzraum.
Der Neuntöter spießt zudem an den Dornen des Gehölzes gern seine Beute auf. Er kann auf diese Art Insekten, Reptilien und Mäuse direkt und sicher verspeisen oder sogar eine Zeitlang lagern.
Die im Herbst erscheinenden blauschwarzen, leicht bereiften Steinfrüchte sehen aus wie Minipflaumen. Tatsächlich ist die Schlehe die Urmutter unserer Zwetschgen, Pflaumen und Mirabellen.
Aber auch der Mensch nutzte bereits in der Steinzeit die Schlehenfrüchte; die Gletschermumie Ötzi hatte ein paar von ihnen in seinem Vorratsbeutel. Heute werden die Früchte hauptsächlich zur Herstellung eines Schlehenlikörs verwendet, doch sollte man Früchte und Blüten der Schlehe auch als Tee oder Saft,
Gelee und Marmelade genießen, denn sie enthalten Vitamine und Mineralstoffe, Gerbstoffe und Fruchtsäuren, die gegen Fieber, Entzündungen, Appetitlosigkeit, Krämpfe und Blutungen helfen. Die Gerbstoffhaltigkeit der Früchte hinterlässt auf der Zunge ein pelziges Gefühl, jedoch werden sie nach dem ersten Frost oder einem Aufenthalt im Gefrierschrank bekömmlicher und süßer. Dann heißt es aber schnell sein mit der Ernte, um den Tieren zuvorzukommen, für die die Früchte eine attraktive Winternahrung sind!
Die Rinde und das Holz der Schlehe waren in früheren Zeiten begehrt. Die Rinde wurde zur Gewinnung einer rotbraunen Dornentinte verwendet, und das sehr harte, aber elastische Holz diente unter anderem zur Herstellung von Wanderstäben. Die Blätter waren Tabakersatz.
Die gesamte Pflanze dient so nicht nur dem Menschen, sondern ist ein Magnet für 51 Wildbienenarten, 7 Schmetterlings- und 149 (!) Raupenarten. Auch Schwebfliegen und Käfer wie der seltene Goldglänzende Rosenkäfer profitieren von ihr.
Glücklicherweise ist dieses Wildgehölz nicht in seinem Bestand bedroht und auch auf der Halbinsel Devin reichlich vorhanden. Trotzdem muss die fortschreitende Ausbreitung des Schlehdorns beobachtet und ggf. eingedämmt werden, damit die ihn umgebende krautige Vegetation nicht verdrängt wird.
Text: Martina Korth
„Holunder tut Wunder!“ und „Vor dem Holunder soll man den Hut ziehen!“
oder
„Rinde, Beere, Blatt und Blüte, jeder Teil ist Kraft und Güte, jeder segensvoll.“
Diese alten Sprüche zeigen, wie wertvoll der Schwarze Holunder, oft nur Holunder, Holler oder im niederdeutschen Raum auch Flieder genannt, den Menschen seit alters her war. Der Baum der Frau Holle wurde bereits in vorchristlichen Zeiten als Schutzbaum (vor bösen Mächten und Blitzschlag) und als Hausapotheke der armen Bevölkerung zutiefst verehrt.
Heute ist von der ehemals vielfältigen Verwertung des Holunders meist nur die Verwendung der cremeweißen Blüten für Holunderblütensirup und -gelee (und als Bestandteil des alkoholischen Getränks „Hugo“) oder als Schwitztee bekannt bzw. die Verwendung der blauschwarzen Holunderbeeren im Herbst für Saft, Likör und Gelee.
Der Schwarze Holunder ist ein in ganz Mitteleuropa verbreiteter sommergrüner Strauch oder kleiner Baum bis 10 m, der weit verbreitet an Waldrändern oder auch auf trockenen Schuttstellen wie an Bahndämmen und in Siedlungsnähe wächst. Der Flachwurzler stellt wenig Ansprüche an seinen Lebensraum und fühlt sich am wohlsten an sonnigen bis halbschattigen Standorten mit nährstoffreichen, kalkhaltigen und mäßig feuchten Böden.
Viele Menschen erkennen den Holunder zweimal im Jahr: im Frühsommer, wenn im Mai/Juni die (creme-)weißen Doldenblüten mit dem charakteristischen Duft blühen bzw. im Herbst, wenn aus den Sternchenblüten blauschwarze Beeren (botanisch korrekt: Steinfrüchte) geworden sind.
Aber auch die unpaarig gefiederten Blätter, die schon sehr zeitig im Jahr wachsen, und die graubraune längsrissige Rinde mit zahlreichen Korkporen sind auffällig. Charakteristisch sind die mit Mark gefüllten Zweige.
Der Schwarze Holunder mit seiner antiviralen, schweißtreibenden, immunstimulieren-den und entzündungshemmenden Wirkung ist nicht nur dem Menschen nützlich.
Als Insekten- und Vogelnährgehölz hat er großen ökologischen Wert. Hauptbestäuber der duftenden Blüten sind kurzrüsselige Bienen, Fliegen und Käfer. 16 unserer einheimischen Schmetterlingsarten ernähren sich vom Blütennektar und/oder deren Raupen von den Blättern. Häufig erfolgt aber auch die Selbstbestäubung des Holunders.
60 Vogelarten haben die Holunderbeeren im wahrsten Sinne des Wortes zum Fressen gern. Selbst Insektenfresser wie die Mönchsgrasmücke oder der Grauschnäpper stellen ihre Ernährung auf die energiereichen Beeren um, sobald sie reif sind.
Für den Menschen sind die rohen Beeren allerdings giftig, wenn auch nicht tödlich giftig. Blausäurehaltige Bestandteile wie Sambunigrin können jedoch zu heftigen Verdauungsbeschwerden wie Erbrechen und Durchfall führen. Deshalb die Beeren immer über mindestens 80 Grad erhitzen, dann sind die schädlichen Stoffe zerfallen!
Fliederbeerensaft ist übrigens ein gutes Färbemittel für Naturstoffe in Violett. Für Flecken auf Kleidung jedoch wird immer noch ein absolut wirksames Mittel gesucht.
Begegnet Ihnen diese mystische Schutz- und Gesundheitspflanze auf der Halbinsel Devin (oder anderswo), schenken Sie ihr etwas Aufmerksamkeit und denken an ihre hilfreiche Rolle für Menschen und Tiere. Sie brauchen ja nicht gleich den Hut zu ziehen …
Text: Martina Korth
Klee erkennen die meisten Menschen an den typischen dreiteiligen Blättern; wer Glück hat, findet ein vierblättriges Kleeblatt!
Der Klee, um den es heute geht, hat auch die typischen Kleeblätter, die blaugrün und einfarbig sind. Ihre Unterseite ist wasserabstoßend.
Er besitzt aber etwas ganz Besonderes, wodurch er gut bestimmt werden kann: einen ballonartigen Fruchtstand, der wie eine (unreife) Himbeere aussieht, aber nach der Erdbeere benannt ist – das ist der Erdbeerklee!
Diese ausdauernde krautige Pflanze mit niederliegenden, kriechenden Stängeln von 20 -30 cm Länge mag es sonnig, feucht und kalkhaltig. Sie kommt auch mit Staunässe gut zurecht, deshalb ist sie auf nährstoffreichen Feuchtwiesen und -weiden, an Ufern und Gräben, zu finden. Da Erdbeerklee salztolerant ist, ist diese Kleeart auch an Standorten in Küstennähe zu finden, so wie auf der Halbinsel Devin, wo es sogar im Spülsaumbe-reich, aber auch in anderen Feuchtbiotopen, Erdbeerkleevorkommen gibt. Zudem erträgt diese robuste Pflanze Trittbelastung und kurzfristige Dürren.
In Deutschland ist der Erdbeerklee als charakteristische Pflanzenart der Küsten-Salzwiesen an Nord- und Ostsee verbreitet. Als Stromtalpflanze ist er jedoch auch an den großen Flüssen zu finden. Die in früheren Jahrzehnten vorgenommene Entwässerung von Mooren und Feucht-wiesen hat diese Art seit den 1950er Jahren stark zurückgehen lassen.
Wie seine Kleegeschwister ist der Erdbeerklee ein Schmetterlingsblütler und gehört in die Familie der Hülsenfrüchtler, die in Symbiose mit stickstoffbindenden Knöllchenbak-terien an ihren Wurzeln als Bodenverbesserer wirken.
Der Erdbeerklee hat eiförmige bis kugelige Blütenköpfchen mit 10 – 30 Blüten, deren schmale Blütenblättchen weißlich-rosa oder fleischfarben gefärbt sind. Der Rotklee (Trifolium pratense), mit dem man ihn eventuell verwechseln könnte, ist intensiver gefärbt, größer, und seine Blätter zeigen zudem eine weiße Zeichnung.
Die Blütezeit des Erdbeerklees reicht von Juni bis September.
In der sich anschließenden Fruchtzeit wird der Kelch der Blüte blasig aufgetrieben und ähnelt einer Beere; diese aufgeblasenen Köpfchen fallen sofort ins Auge! Das Aufblähen dient der Weiterverbreitung der Samen als sog. Ballonflieger. Die Pflanze vermehrt sich jedoch auch durch Klettausbreitung.
Gern bildet der Erdbeerklee Ausläufer. Seine Widerstandsfähigkeit zeigt diese beson-dere Kleeart auch dadurch, dass zertrennte Stängel an den Knoten wieder zu eigen-ständigen Pflanzen wachsen.
Als Bodendecker, Bodenverbesserer, Grünfutter- und Insektenpflanze, v.a. für Wildbie-nen und Schmetterlinge, hat der Erdbeerklee eine wichtige Rolle im ökologischen Gefüge.
Der Fortbestand des Erdbeerklees hat eine echte Chance, wenn Feuchtgebiete erhalten und - beispielsweise durch Beweidung gegen Verbuschung - offengehalten werden, wie es auf der Halbinsel Devin geschieht.
Text: Martina Korth
Auf der Halbinsel Devin ist ein besonderer Goldschatz zu entdecken, nämlich ein pflanzlicher: die Golddistel.
Bei einem Besuch im Hochsommer kann diese Pflanze besonders gut entdeckt werden, da sie jetzt blüht. Die Blüten geben der Golddistel ihren Namen, denn die körbchenförmigen, 1,5 - 2,5 cm kleinen Blütenstände sind mit vielen gelblichen, am oberen Rand purpurfarbenen Röhrenblüten gefüllt. Ins Auge fallen aber v. a. die inneren Hüllblätter, die länger als alle anderen und trüb-weißlich bis goldgelb glänzend sind. Zur Blütezeit sind sie bereits abgestorben und verbleiben dauerhaft an der Pflanze, was sie für Trockengestecke interessant macht.
Die Golddistel wird auch Wetterdistel genannt, denn ihre inneren Hüllblätter reagieren auf Feuchtigkeit. So krümmen sie sich bei Regen schützend über die Röhrenblüten, bei Sonne und Trockenheit breiten sie sich wieder aus. Schon beim mehrmaligen Anhauchen der Pflanze kann diese Blätterbewegung beobachtet werden! Die austrocknungstoleranten Stängel dieser Pflanze bleiben aufrecht bis weit ins Frühjahr stehen und werden gern von Wildbienen zum Anlegen ihrer Brutröhren benutzt.
Die Golddistel ist eine ausdauernde krautige Pflanze mit Wuchshöhen von 15 – 60 cm. Sie ist eine stachlige Erscheinung und liebt vollsonnige, nährstoffarme Magerrasen und offene Sandstellen. Denn sie vermehrt sich ausschließlich über ihre Samen und benötigt zum Auskeimen Licht. Durch konkurrenzstarke krautige Pflanzen oder Gehölzaufwuchs wird die Golddistel schnell verdrängt. So hilft die extensive Beweidung mit Schafen auf der Halbinsel Devin, diese kleine Schönheit zu erhalten, da die Golddistel von ihnen verschmäht wird.
Die Samen mit ihrem fedrigen Federkelch werden vom Wind weit verbreitet, aber auch von Ameisen. Sie haften auch am Fell von Tieren oder werden als Steppenroller mit der Mutterpflanze weiterverbreitet.
Die oft zu dritt stehenden Blüten sind ein wahres Insektenmagnet und ziehen Unmengen von Bestäubern wie Honigbienen, Hummeln und Schmetterlinge an. Den Pollen holen sich 71 Wildbienenarten als Futter für ihre Nachkommen, davon sind 9 Wildbienenarten auf diese Pflanze spezialisiert.
Früher wurde die Golddistel aufgrund ihrer harntreibenden, abführenden Wirkung sowie bei Hautkrankheiten auch in der Heilkunde verwendet. Schon in der Antike wurde sie als Pestmittel verwendet. Der botanische Gattungsname Carlina geht auf Karl den Großen (747 – 814 n. Chr.) zurück, dem die Pflanze als Mittel gegen die Pest, die seine Armee dezimierte, angeblich von einem Engel gezeigt wurde.
Ihr anderer Name - Kleine Eberwurz - verweist auf die Verwendung der Pflanze bei Erkrankungen der Schweine.
Ähnlich wie Artischocken ist diese Distel auch in der Küche verwendbar.
Um die Golddistel zu schützen, sollte sie jedoch nicht der Natur entnommen werden. Erfreuen wir uns lieber an ihrem Strahlen, das auch noch nach der Blütezeit anhält!
Text: Martina Korth
Der lateinische Name des Gänsefingerkrauts Argentina anserina hört sich wie ein wohlklingender Mädchenname an.
Die deutschen volkstümlichen Bezeichnungen der Pflanze als Dreckkraut oder Gänserich sind dann nicht so schmeichelhaft. Tatsache ist, dass dieses Kraut vor allem in ländlichen Gegenden auf den von Gänsen plattgetretenen, verdichteten Angern bestandsbildend wuchs, von ihnen auch gern gefressen wurde, was den Namen erklärt. Heute wächst es gern auf nährstoffreichen Wiesen, Äckern und an Wegrändern.
Das Gänsefingerkraut ist eine trittfeste Pionierpflanze, die auch Staunässe verträgt, und durch Verschleppung eine der am weitesten verbreiteten Pflanzenarten auf der Nordhalbkugel.
Die Salztoleranz des Gänsefingerkrautes erweitert seinen Lebensraum und trägt zu seiner Verbreitung bei, auf der Halbinsel Devin ist die Pflanze auch im Spülsaumbereich zu finden.
An bis zu 80 cm langen, meist blattlosen rötlichen Ausläufern wachsen an den Knoten kleine Wurzeln, womit sie am Boden haften und sich neue Rosetten bilden können.
Das Rosengewächs ist eine Schönheit mit leuchtend gelben Blüten von Mai bis September. Seine Blüten besitzen für uns unsichtbare Saftmale, die das UV-Licht reflektieren und an denen sich Honigbienen orientieren.
Ihre gefiederten Blätter sind unterseits silbrig behaart und biegen sich bei Trockenheit auf, um das Licht zu reflektieren.
Ökologisch interessant ist die Pflanze insbesondere für 46 Wildbienenarten, davon zwei auf den Pollen spezialisierte. Auch für Schwebfliegen, Käfer und Schmetterlingsraupen bildet sie eine Nahrungsgrundlage.
In der Volksmedizin ist das Gänsefingerkraut seit dem Mittelalter dokumentiert und als „Krampfkraut“ bekannt. Aufgrund seiner spasmolytischen Wirkung hilft es nachweislich bei mit Krämpfen einhergehenden Durchfallerkrankungen, bei Menstruationsbeschwer-den, Gallenkoliken und nächtlichen Wadenkrämpfen. Bei Zahnfleischentzündungen hilft das Kauen auf der frisch ausgegrabenen Wurzel.
Die Wurzel ist es auch, die am schmackhaftesten ist, wenn sie in der menschlichen Ernährung verwendet wird, obwohl alle Pflanzenteile vom Gänsefingerkraut gegessen werden können.
Die Wurzel kann man zum Beispiel klein schneiden und anbraten und dann ähnlich nutzen wie eine Pastinake, die dem Gänsefingerkraut auch geschmacklich ähnelt. Die Blätter schmecken eher säuerlich, können aber ebenso gut verwendet werden, zum Beispiel in Suppen und Salaten.
Probieren Sie es doch einmal aus!
Text: Martina Korth
Auf der Halbinsel Devin öffneten sich in diesem Jahr die goldgelben Blüten des Besenginsters bereits Ende April. Jetzt im Juni verschwindet der bis zu 2 Meter hohe Strauch regelrecht in seiner Blütenfülle.
Botanisch gesehen ist der Besenginster, dessen Name eher nach Hausputz
klingt und seine frühere Verwendung anzeigt, gar kein Ginster, sondern ein
Geißklee.
Mit seinen hübschen Schmetterlingsblüten zählt er zur großen Familie der
Legumino-sen, wie z. B. auch unsere Gartenerbsen. Im Unterschied zu ihnen
sind die Samen des Besenginsters jedoch giftig, wie auch alle anderen
Pflanzenteile mit Ausnahme der Blüten. Auch wenn der Besenginster eine alte Heilpflanze ist und sein Wirkstoff Spartein in der Medizin noch heute gegen Kreislaufbeschwerden eingesetzt wird, sollte er aufgrund seiner Giftigkeit nicht eigenmächtig verwendet werden.
Als typische Pionierpflanze machen dem Besenginster nährstoffarme Böden
wie auf der HI Devin nichts aus: er lebt in Symbiose mit Knöllchenbakterien, die Luftstickstoff binden können und der Pflanze als Dünger zur Verfügung stellen. Mit seiner langen Pfahlwurzel erreicht er auch tiefer liegendes Wasser.
Der Besenginster verlangt nur eins: Sonne! Er mag es warm und ist
klimawandelresis-tent.
Da er höchstens 10 Jahre alt wird, sorgt er für eine gute Verbreitung:
die schwarzen, reifen Samenschoten heizen sich in der Sonne stark auf, platzen auf und schleudern ihren Inhalt weit davon. Die Samen können jahrzehntelang im Boden verbleiben und keimen erst, wenn sie genug Licht bekommen.
Ameisen helfen, den Samen zu verbreiten, da sie gern ein nahrhaftes
Anhängsel, das Elaiosom, fressen.
Auch für viele andere Insekten ist der Besenginster ein Magnet. Die kleinen,
unscheinbaren Blättchen der Pflanze sind Schmetterlingsraupenfutter für 57
Arten!
Die Schmetterlingsblüten können nur von Hummeln „geknackt“ werden. Sie
allein haben das Gewicht, um das Schiffchen, den unteren Teil der Blüte,
herunterzudrücken und ins pollenreiche Innere zu gelangen. Ist die Blüte jedoch geöffnet, haben auch kleinere Wildbienen und Käfer eine Chance, Pollen „abzustauben“.
Falls Sie eine ungeöffnete Blüte am Besenginster finden, können Sie selbst
Hummel spielen: ziehen Sie am Schiffchen, öffnet sich die Blüte und die
Staubbeutel mit dem Pollen klappen explosionsartig nach oben, an den Bauch der Hummel, wenn sie eine wären …
Auf der Halbinsel Devin findet der Besenginster so gute Wachstumsbedingungen vor, dass er teilweise gerodet werden musste, um die Landschaft nicht verbuschen zu lassen. Flächendeckendes Wachstum des Strauches würde die Bodenvegetation, insbesondere Blütenpflanzen, massiv unterdrücken.
Text: Martina Korth
Wer in diesen Tagen die Halbinsel Devin besucht, sieht ein Blütenmeer aus Weiß und Gelb. Zudem liegt eigenartiger Duft in der Luft.
Er stammt von der Blüte des weiß blühenden Eingriffeligen Weißdorns.
Damit will die Pflanze ihre Bestäuber auf sich aufmerksam machen. Für unsere Nasen ist der leicht fischartige Geruch eventuell nicht so verlockend, für die Bestäuber des Weißdorns ist es die Einladung zu einem Festmahl. Geruch und Blütenfarbe weisen auf Fliegen als Bestäuber hin, aber auch Bienen besuchen das Rosenblütengewächs gern.
Auf der Halbinsel Devin wächst der Eingriffelige Weißdorn, der die häufigste Weißdornart in Mitteleuropa ist, oft als kleiner Baum mit schirmartiger Krone. Das gibt der halb-offenen Landschaft den Charakter einer Savanne.
Die dichte Verzweigung des Weißdorns und seine Bedornung machen ihn zu einem idealen Brutplatz und Vogelschutzgehölz. Der Neuntöter spießt auf den kräftigen Dornen gern seine Beute auf.
Ist der Weißdorn im Frühling eine Bienenweide, so ist er im Herbst mit seinen glänzend roten, beerenartigen Apfelfrüchten eine Nahrungsquelle für viele Vogelarten wie z. B. für Amseln und Seidenschwänze.
Auch vielen Schmetterlingsarten wie beispielsweise dem Goldafter dient der Weißdorn als Raupenfutterpflanze.
In der menschlichen Ernährung wurden v. a. die Früchte, die auch als Mehlfässchen bezeichnet werden, jahrhundertelang als Mehl oder Mus genutzt, die Kerne zu Kaffee-Ersatz vermahlen und die Blätter als Tee oder Tabak verwendet.
Vielen bekannt ist die herz- und nervenstärkende Wirkung dieser alten Heilpflanze.
Schauen Sie sich doch einmal die Blüte des Weißdorns von Nahem an: die roten Staubbeutel im Weiß machen sie unverwechselbar!
Auch die Erscheinungsform der fast bis an die Mittelrippe gebuchteten Blätter ist sehr einprägsam.
Auf der Halbinsel Devin ist auch eine rosa blühende Spielart des Eingriffeligen Weißdorns zu finden, die an Apfelblüten erinnern.
Text: Martina Korth